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Aktuelle Infos / Aus der Presse

Aktuelle Infos / Aus der Presse | Mendler, Michael | 23.06.2022

Wandergeselle Merlin Hoffmann verabschiedet

Bürgermeisterstellvertreter Alfred Woll, sechs weitere Wandergesellen sowie Freunde und Verwandte waren zum Ortsschild im Oberderdinger Ortsteil Flehingen gekommen, um den Wandergesellen Merlin Hoffmann zu verabschieden. Der Brauer- und Mälzergeselle machte sich Mitte Mai auf die Walz. Drei Jahre und ein Tag wird Merlin Hoffmann unterwegs sein. Er folgt damit einer Tradition, die bis ins Mittelalter zurückgeht.

 

 

Das Leben als Wandergeselle ist ein Abenteuer, das an schwierige Bedingungen geknüpft ist: Er darf kein eigenes Fahrzeug besitzen und sich nur zu Fuß oder per Anhalter fortbewegen. Auch sein Handy muss zu Hause bleiben. Dieses wurde vor seiner Abreise mit einem Nagel an einen Balken genagelt. Bürgermeisterstellvertreter Alfred Woll überreichte ihm Wegegeld für seine Walz und stempelte den Gemeindestempel in sein Wanderbuch.

 

Mindestens drei Jahre und ein Tag darf Merlin Hoffmann als sogenannter freireisender Brauer nicht nach Hause kommen. Er darf sich seinem Heimatort noch nicht einmal auf 50 Kilometern nähern, die Bannmeile nicht durchbrechen. Sein ganzes Leben befindet sich nun eingewickelt in einem 80 mal 80 Zentimeter großen, bedruckten Tuch, einem sogenannten Charlottenburger.

 

Um auf Wanderschaft gehen zu dürfen müssen die Gesellen die Gesellenprüfung bestanden haben. Bis zur beginnenden Industrialisierung war die Walz eine der Voraussetzungen, um zur Meisterprüfung zugelassen zu werden. Die Gesellen sollten neue Arbeitspraktiken und fremde Orte kennenlernen. Heute gibt es nur noch eine Handvoll der reisenden Handwerker, die mit Wanderstab und Kluft zu Fuß durch die Welt tingeln. Eine extrem selten gewordene jahrhundertealte Tradition.