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Aktuelle Infos / Aus der Presse

Aktuelle Infos / Aus der Presse | Jankowski, Simone | 06.02.2024

Ein Haus des Lebens

Ein Haus des Lebens

Am vergangenen Donnerstag besuchte die katholische Religionsgruppe der 9. Klassenstufe das neue Hospiz in Bruchsal. Für die gesamte Schulgemeinschaft der Leopold-Feigenbutz- Realschule Oberderdingen überbrachte die Schülergruppe offiziell den Spendenerlös von über 1400 Euro vom LFR-Weihnachtskonzert im Dezember 2023. Oberderdingens Bürgermeister Thomas Nowitzki hatte der Schule zuvor das Hospiz als Spendenziel für das jährliche Konzert vorgeschlagen und so traf sich die Gruppe unter der Leitung von Realschulrektor Gregor Svoboda mit Herrn Nowitzki direkt beim Hospiz. In den Wochen zuvor thematisierten die Schülerinnen und Schüler mit der Religionsgruppe das Thema „Sterben, Tod und Auferstehung“. Auch da wurde die Grundidee der Hospize behandelt.

Mit Frau Helma Hofmeister-Jakubeit, der ehemaligen Geschäftsführerin des Hospiz- und Palliativnetzwerks Arista, ihrer Nachfolgerin Frau Kathrin Friedrich, mit Frau Dorothea Muhm, der stellvertretenden Leitung und mit Frau Margareta Magosch vom Hospizförderverein begrüßte die Gruppe ein wunderbares und gut gelauntes Team auf sehr herzliche Weise. Den zuvor noch sehr angespannten Schülerinnen und Schülern, die alle freiwillig dabei waren, sah man regelrecht an, wie ihre Anspannung nachließ.

Bevor das Team durch das Haus geführt wurden, erhielten die Besucher viele Informationen rund um Hospize im Allgemeinen und den Grund, warum nach Ettlingen nun auch ein neues Hospiz mit 8 Zimmern in Bruchsal eröffnet wurde. Der Bedarf steigt und steigt und dies hat vor allem mit dem demographischen Wandel zu tun: Immer mehr Menschen leben alleine. Es gibt mehr Singles, mehr Geschiedene. Und es sind gar nicht mal so sehr die sehr alten Menschen, die im Hospiz zu Gast sind. Der Jüngste war 18. Viele sind zwischen 55 und 60 Jahre alt.

Fragt man dann das Hospiz-Team in Bruchsal danach, ob im Hospiz Menschen eher alleine oder in Gesellschaft Anderer sterben, so bekommt man zur Antwort, dass die Menschen meist so sterben, wie sie auch gelebt haben. Lebte jemand alleine, ohne großen Kontakt zu Freunden oder Familie, dann stirbt er oft auch alleine. Ist jemand ein Familienmensch oder hat ein gutes soziales Netzwerk, dann stirbt er oft nicht alleine. Viele der Sterbenden bereuen vor allem eines: Im Nachhinein hätten sie gerne weniger Zeit mit der Arbeit verbracht und dafür lieber mehr Zeit mit Familie und Freunden. Erstaunlich für die Besucher, dass sogar Hochzeiten und Konfirmationen oder Familienfeste im Hospiz zusammen mit einem Gast gefeiert werden.

Das neue, lichtdurchflutete Haus in Bruchsal ist sehr schön gestaltet. Als die Gruppe das Gebäude betrat, blickte sie auf eine schöne, offene Küche und leckerer Waffelduft füllte angenehm den Vorraum aus. Etwas weiter hinten im Haus sieht man ein wunderschönes tropisches Aquarium, das eine großzügige Spenderin gestiftet hat – ein beruhigender Anblick. Überall gibt es Plätze und Räume zum Verweilen: Eine Bibliothek, Speisezimmer, einen Andachtsraum, Gesprächsecken. Dazu natürlich auch die für die Pflege notwendigen Einrichtungen und Bäder. Zu dem Haupthaus gehört noch ein Nebenhaus mit Seminarraum und Räumen für das ambulante Palliativteam. Um die beiden sehr schönen Gebäude, die wie eine Art kleiner Bauernhof angeordnet sind, entsteht derzeit noch ein großer Garten. Alles ist durchdacht, alles auf den Menschen zugeschnitten. Es ist ein Haus des Lebens.

Die 14- bis 15-jährigen Schülerinnen und Schüler waren während des Besuches tapfer, besonnen, wachsam und aufgeschlossen. Man konnte sie für ihre „Coolness“ und dafür, dass sie den Tod als Teil des Lebens nicht verdrängen, nur bewundern. Bei dem Besuch im Hospiz hat bei ihnen ein Lernen für das Leben stattgefunden.

(Text und Fotos, Gregor Svoboda, LFR Oberderdingen)