Großvillars


Im Jahre 1699 entschloss sich der württembergische Herzog, Eberhard Ludwig aus Ludwigsburg, 3000 Glaubensflüchtlinge aus den franz./savoyischen Alpen in seinem Land aufzunehmen.
Durch den 30-jährigen Krieg war sein Land stark verwüstet und unbevölkert. Leute, die sich um des Glaubenswillen vertrieben ließen, müssten eigentlich bestens geeignet sein, ein wüstes Land wieder zu bevölkern und zu kultivieren.

Im Januar 1700 wurde der Landvermesser Johannes Stahl aus Hohenhaslach mit der Vermessung der Straße und Bauparzellen beauftragt. Die Hauptstraße, die heutige Freudensteiner Straße, war lang und gerade und an ihrem einen Ende führte im rechten Winkel nach beiden Seiten eine kürzere Straße, die heutige Heilbronner Straße. Geplant waren 13 Häuser, eine Kirche und ein Pfarrhaus.Communaute (Gemeinde) de Villars, wie Großvillars damals hieß, sollte eine selbständige Gemeinde werden. Die ersten Häuser wurden aus einfachen Bretterbuden erstellt, während die Plätze für die Kirche und das Pfarrhaus noch leer blieben.

1703 wurden bei einem Feuer 19 Holzhäuser, 16 im Bau befindliche Häuser und 26 Scheunen zerstört. 119 Obdachlose waren zu beklagen und der Ort musste wieder neu aufgebaut werden. Herzog Eberhard Ludwig ließ aber verkünden, dass alle Häuser nur noch aus Stein gebaut werden dürfen. Die benötigten Steine mussten Derdinger und Knittlinger Bürger heranschaffen.
1720 gab es bereits 46 feste Häuser, 26 Scheunen und 18 Holzbaracken.

Im Jahr 1704 ging es um den Namen der Waldenserorte. Da der Name Villars schon bekannt war und auch von den Deutschen ausgesprochen werden konnte, wollte man ihn beibehalten.
Aus Communaute de Villars wurde jetzt Groß- und Kleinvillars.

Ab 1720 siedelten verstärkt die Deutschen in Großvillars. Ein herzoglicher Erlass besagte nämlich, dass in jedem Ort ein Barbier, ein Wagner und ein Schmied wohnen mussten. Diese Berufe wurden aber von den Waldensern nicht ausgeübt. Die Kinder der deutschen Familien mussten nach Knittlingen in die Schule gehen, da in Großvillars selbst, der Unterricht nur in französischer Sprache stattfand.

Um 1715 fand der Gottesdienst in Großvillars in einer Kirchenbaracke statt, bevor 1716 eine erste Kirche im Fachwerkbau errichtet wurde. 

Zwischen 1748 und 1752 baute man mit Hilfe der reformierten Kirche von England und Niederlande eine neue Kirche aus Stein.

1821 wurde ein Schulhaus, das heutige Rathaus, gebaut. Hier waren ein Schulsaal und ein Ratszimmer im Erdgeschoß und im ersten Stock eine Lehrerwohnung untergebracht, die bis ins Jahr 1965 auch als solche benutzt wurde.

1852, 100 Jahre nach der Erbauung der Kirche, wurde das Pfarramt gebaut.

1866, bereiste König Karl das Land, wobei er auch in die Nähe von Großvillars kam. Der Kommissarische Schultes Combe berichtete dem König von den Problemen der Gemeinde, die zwar selbständig war, jedoch kein Geld für Gemeindeanliegen hatte, da  sämtliche steuern nach Derdingen und Knittlingen abgeführt werden mussten. Er bat den König die Selbständigkeit der Gemeinde aufzulösen und sie entweder Derdingen oder Knittlingen ganz zuzuteilen. Der König stimmte der Bitte zu, aber weil weder Derdingen noch Knittlingen Interesse hatte, wurde Großvillars genau an der Gemarkungsgrenze geteilt. 2/3 des Ortes kam nach Knittlingen, der Rest ging an Derdingen. Die Gehöfe waren teilweise zerschnitten.
Erst 107 Jahre später, zum 01.01.1973 erfolgte nach einer Anhörung der Bürgerinnen und Bürger die Eingliederung der gesamten Ortschaft in die Gemeinde Oberderdingen.