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Aktuelle Infos / Aus der Presse

Aktuelle Infos / Aus der Presse | Mendler, Michael | 29.08.2025

Stolpersteine für Familie Bierig im Stadtteil Flehingen gesetzt

In Flehingen fand eine besondere Gedenkzeremonie statt: Vor dem ehemaligen Wohnort der jüdischen Familie Bierig, heute ein öffentlicher Parkplatz in der Samuel-Friedrich-Sauter-Straße, wurden insgesamt sechs Stolpersteinen verlegt.

 

Die Initiative dazu geht auf einen Beschluss des Oberderdinger Gemeinderats im März zurück. Stadtarchivar Marco Rödler hatte im Auftrag von Bürgermeister Thomas Nowitzki das Konzept erarbeitet. Neben den Stolpersteinen umfasst es auch eine neue Informationstafel über das jüdische Leben in Flehingen.

 

Die Anregung zur Umsetzung kam von den Nachfahren der Familie. Jack Bierig und seine Schwester Judy Farby, die in den USA leben, hatten sich 2024 an die Stadt gewandt. Beide reisten nun gemeinsam mit weiteren Familienmitgliedern an, um Stolpersteine für ihre Familie selbst zu setzen. Begleitet wurde die Zeremonie vom Berliner Rabbiner Samuel Vingron, der ein Gebet sprach, sowie von Philip und Stefanie Lingenfelser, die den musikalischen Rahmen gestalteten.

 

Damit erinnern nun Stolpersteine an Peppi Sam, Hedwig, Therese Ach (geb. Bierig), Heinrich, Arnold und Julius Bierig. Bürgermeister Thomas Nowitzki sagte in seiner Ansprache, innezuhalten und sich bewusst zu machen, dass hinter jedem Namen ein persönliches Schicksal steht. Er zitierte den ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker: „Die Jungen sind nicht verantwortlich für das, was damals geschah, aber sie sind verantwortlich dafür, was daraus wird.“

 

Auch Stadtarchivar Rödler betonte die Bedeutung der Wachsamkeit: „Der Holocaust geschah mitten in Europa – und genau deshalb kann er sich überall wiederholen.“ Er verwies darauf, dass Demokratie eine Staatsform sei, die immer wieder gelernt werden müsse.

 

Jack Bierig erinnerte in seiner Rede daran, dass seine Familie bei der Flucht in die USA nicht nur ihre Werte, sondern auch ihre Verbundenheit mit der deutschen Sprache und Kultur bewahrte. „Heute haben wir guten Grund, ein Deutschland zu würdigen, das sich grundlegend von dem Land unterscheidet, aus dem wir fliehen mussten“, sagte er.

 

Der Heimatforscher Wolfgang Schönfeld, der seit vielen Jahren zur jüdischen Geschichte in Flehingen forscht, schilderte in seinem Grußwort, wie er 2010 durch einen Hinweis seiner Tochter auf eine alte hebräische Relieftafel aufmerksam wurde. Diese Entdeckung führte ihn schließlich zum Stolpersteinprojekt in Flehingen. Als Geste der Verbundenheit überreichte er den Geschwistern Bierig und Farby zwei Reproduktionen der Gedenktafel.

 

Zum Abschluss der Veranstaltung wurde die zweisprachige Informationstafel enthüllt, das die Stadträtin Elena Nowitzki ins Englische übersetzt hatte.

 

Stolpersteine, 2025, Verlegung, Besuch, August

 

Bürgermeister Thomas Nowitzki gemeinsam mit Jack Bierig und dessen Schwester Judy Farby bei der Verlegung des Stolpersteines zu Ehren von Hedwig Bierig.

 

 

Stolpersteine, 2025, Verlegung, Besuch, August

 

Links: Bürgermeister Thomas Nowitzki. Rechts von der Tafel: Judy Farby, geborene Bierig, ihr Bruder Jack Bierig, Heimatforscher Wolfgang Schönfeld, Stadtarchivar Marco Rödler sowie Stadträtin Elena Nowitzki.

 

Foto: Behice Demir / Stadt Oberderdingen